Das ungerichtete Funkfeuer (NDB) ist die älteste noch verbreitete Form der Funknavigation. Im Microsoft Flight Simulator X (FSX, auch Steam Edition) finden Sie NDBs weltweit, und viele Standardflugzeuge besitzen dafür ein Radiokompass-Instrument, das ADF. Wer die NDB-Navigation im FSX beherrscht, kann auch abseits von VOR und GPS sicher zu einem Funkfeuer fliegen. Diese Anleitung erklärt, wie Sie das ADF einstellen, die Nadel lesen und eine Standlinie zur Station halten.
NDB und ADF: das Prinzip
Ein NDB ist ein Sender an einem bekannten Ort. Er strahlt außer seiner Morsekennung keine Richtungsinformation aus. Die Richtung ermittelt erst der Empfänger im Flugzeug: Die Nadel des ADF zeigt einfach zur Station. NDBs arbeiten im Lang- und Mittelwellenbereich; in der Literatur wird für die Funkfeuer ein Bereich von etwa 190 bis 1750 kHz genannt. Viele ADF-Empfänger können zusätzlich Mittelwellen-Rundfunksender empfangen.
Anders als beim VOR gibt es keine Radiale, keine Kursablage-Nadel und keine TO/FROM-Anzeige. Wie das VOR funktioniert, lesen Sie in unserer Anleitung zur VOR-Navigation im FSX.
ADF im FSX einstellen und prüfen
- Suchen Sie das gewünschte NDB auf der FSX-Karte und notieren Sie Frequenz und Kennung.
- Stellen Sie die Frequenz am ADF-Empfänger im Funkgerätestapel ein.
- Aktivieren Sie am Audio-Panel die Taste ADF und hören Sie die Morsekennung ab. Erst sie bestätigt, dass Sie die richtige Station empfangen.
- Prüfen Sie, ob die Nadel sich ruhig auf eine Richtung einstellt. Dreht sie sich ziellos oder bleibt sie stehen, sind Sie außer Reichweite oder auf der falschen Frequenz.
Je nach Flugzeug unterscheiden sich Empfänger und Anzeige. Add-on-Flugzeuge bringen oft eigene Geräte mit, deren Bedienung vom Standard abweicht.
Die Nadel lesen: relative und missweisende Peilung
Auf einer feststehenden Skala zeigt die Nadel die relative Peilung: den Winkel zur Station, im Uhrzeigersinn von der Flugzeugnase gemessen. Steht die Nadel oben auf 0, liegt die Station genau voraus; zeigt sie 10 Grad links der Nase, beträgt die relative Peilung 350 Grad.
Für die Navigation brauchen Sie die missweisende Peilung zur Station. Sie ergibt sich aus einer einfachen Formel:
Missweisender Steuerkurs + relative Peilung = missweisende Peilung zur Station
Ist die Summe größer als 360, ziehen Sie 360 ab. Beispiel: Steuerkurs 080 Grad, relative Peilung 310 Grad ergibt 390, also 030 Grad zur Station. Die Peilung von der Station weg erhalten Sie, indem Sie 180 Grad addieren oder abziehen.
Viele ADF-Instrumente besitzen einen Drehknopf, mit dem sich die Skala verstellen lässt. Drehen Sie den aktuellen Steuerkurs nach oben, zeigt die Nadel direkt die missweisende Peilung. Die Skala müssen Sie allerdings bei jeder Kursänderung neu einstellen.
Zielflug und Standlinienflug
Am einfachsten ist der Zielflug (Homing): Sie drehen so, dass die Nadel auf der Nase steht, und halten sie dort. Bei Seitenwind führt das zu einem gekrümmten Weg, denn das Flugzeug wird ständig versetzt. Sie erreichen die Station trotzdem, aber nicht auf einer festen Linie.
Beim Standlinienflug (Tracking) halten Sie dagegen eine bestimmte Peilung. Wandert die Nadel bei Wind von der Nase weg, drehen Sie in Richtung der Nadel um etwa 20 Grad, bis Sie wieder auf der Standlinie sind. Danach fliegen Sie mit einem kleineren Vorhaltewinkel weiter, etwa 10 Grad. Bleibt die Nadel dann um genau diesen Winkel versetzt stehen, stimmt die Windkorrektur. Wandert sie weiter, vergrößern Sie den Vorhaltewinkel.
Beim Überflug schwingt die Nadel von der Nase zum Heck. Für den Abflug drehen Sie auf den gewünschten Kurs und halten die Nadel nun nahe 180 Grad.
Grenzen des ADF
In der realen Luftfahrt gelten NDB-Peilungen als weniger genau als VOR-Anzeigen. Gewitter, Gebirge und Ausbreitungseffekte in der Dämmerung können die Nadel ablenken, und in Kurven verfälscht die Schräglage die Anzeige kurzzeitig. Lesen Sie die Nadel deshalb im Geradeausflug ab. Inwieweit ein Simulator solche Effekte nachbildet, hängt von Version und Flugzeug ab.
Fazit
Das ADF wirkt zunächst ungewohnt, folgt aber wenigen Regeln: Station identifizieren, relative Peilung ablesen, mit dem Steuerkurs verrechnen und bei Wind vorhalten. Üben Sie im FSX zunächst den Zielflug, dann das Halten einer Standlinie. Wer zusätzlich Instrumentenanflüge fliegen möchte, findet die Grundlagen in unserer Anleitung zum ILS-Anflug im FSX. Die Beschreibung bezieht sich auf die Standardinstrumente des FSX; in Prepar3D und im Microsoft Flight Simulator funktioniert das Prinzip gleich, Panels und Bedienung können jedoch abweichen.


